Die Tagung muss aufgrund des anhaltenden Pandemiegeschehens um mindestens ein Jahr verschoben werden!

Wie müsste eine menschengerechte Gesellschaft aussehen bei Überwindung von geschlechtsspezifischer Ungerechtigkeit?

Jahrestagung der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft e.V., von Freitagabend, 23. April, bis Sonntagmittag, 25. April 2021, in der Franken-Akademie auf Schloss Schney, Schlossplatz 8, 96215 Lichtenfels

 

In dem Beitrag «Geschlecht und Charakter» stellt Erich Fromm 1943 fest, «dass die Gleichheit zwischen den Geschlechtern größer ist als ihre Verschiedenheit und Mann und Frau zuallererst menschliche Wesen sind mit gleichen Möglichkeiten, gleichen Begierden, gleichen Ängsten.»

Wie sieht es mit Gleichheit und Verschiedenheit der Geschlechter heute aus? Auf der Jahrestagung der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft 2021 wollen wir uns mit dieser Frage befassen und die gegenwärtige Lebenswirklichkeit beispielhaft beleuchten sowie Klischees und Rollenzuschreibungen hinterfragen. Auch steht die Frage im Raum, ob wir derzeit nicht sogar mit einer «Retraditionalisierung» zu kämpfen haben.

Neben dieser Bestandsaufnahme möchten wir in einen Diskurs darüber eintreten, wie eine gleichberechtigte, emanzipierte, offene und demokratische Gesellschaft und deren Aufgabenteilung aussehen könnte und sollte.

Welche Schritte sind für eine paritätische Verteilung sowie eine gleiche gesamtgesellschaftliche Teilhabe erforderlich, damit Augenhöhe zwischen den Menschen entsteht? Wie schafft man die Voraussetzung dafür, dass die Bezogenheit des Menschen auf einen anderen – wie Erich Fromm sie beschrieben hat – für alle fruchtbringend möglich wird?

 

Bei der Tagung in der Franken-Akademie auf Schloss Schney geht es mit folgenden Referentinnen um diese konkreten Themenstellungen:
  • In einer kritischen Bestandsaufnahme von Prof. Dr. Karin Scherschel, Soziologin und Migrationsforscherin (Eichstätt-Ingolstadt) steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich Arbeit und Leben für Frauen auf der Flucht darstellen.
  • Der Journalistin und Politikwissenschaftlerin Dr. Antje Schrupp (Frankfurt) geht es in ihrem Vortrag um die Frage, wie der Umgang unserer Gesellschaft mit der SWK-Differenz (SchwangerWerdenKönnen) jenseits von Heteronormativität aussehen könnte. Wie ist eine geschlechtsunabhängige Gleichberechtigung vor allem bezüglich der Reproduktion möglich?
  • Die Soziologin Dr. Barbara Umrath (Köln) zeichnet die kritische Gesellschaftstheorie des Instituts für Sozialforschung der 1930er Jahre nach, an der Erich Fromm mit der von ihm entwickelten psychoanalytischen Sozialpsychologie entscheidend beteiligt war. Schwerpunkte sind die Aussagen zu Geschlechterdifferenzen, zur Patriarchatskritik und Emanzipation damals angesichts von Einsichten und Grenzen zeitgenössischer Geschlechterforschung.
  • In einem Referat über unsere Sprache beleuchtet die Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Damaris Nübling (Mainz), die Beziehung zwischen sprachlicher und sozialer Kategorisierung des Menschen. Vor allem wird das (grammatische) Genus-System beleuchtet, das mit (sozialem) Geschlecht weitaus mehr zu tun hat, als das nach Meinung der Linguistin Prof. Nübling dem öffentlichen Diskurs lieb ist.
  • Die Erziehungswissenschaftlerin und Transformationsforscherin Frau Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland (Universität Hamburg) geht der Frage nach, ob die Pädagogik einen Beitrag zur Überwindung genderbezogener Ungleichheiten leisten kann. Während sie im Bildungssystem heute eher eine Benachteiligung der Jungen beobachtet, stellt sie fest, dass die Frauen nach wie vor eher im Erwerbsleben benachteiligt sind, woraus sich die Frage ergibt, wie die Pädagogik daran selbst beteiligt ist.

Unserem Denken liegt immer eine Perspektive zugrunde, eine Position. Eine gemeinsame Auseinandersetzung über die angesprochenen Beiträge und Themen bietet die Möglichkeit, unsere gesellschaftlichen Verhältnisse zu hinterfragen, Perspektivenwechsel zuzulassen. So hoffen wir und insbesondere Anita Engel, Katrin Gloggengießer und Petra Müller-Wille vom Vorbereitungsteam auf eine spannende Tagung mit lebendigen und engagierten Gesprächen zwischen den Referentinnen und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

 

Tagungskosten

Die Tagungs­ und Pensionskosten in der Franken Akademie betragen für Mitglieder und Interessierte der Fromm-Gesellschaft (von Freitag bis Sonntag mit Vollpension) 129 € im DZ p. P. und 159 € im EZ (Teilnahme ohne Übernachtung auf Anfrage). Mitglieder der Erich­Fromm­Gesellschaft können bei Bedarf einen formlosen Antrag bei der Geschäftsstelle für einen Zuschuss von bis zu 50 € stellen.

Hinweis/Corona-Pandemie: Momentan gehen wir davon aus, dass die Tagung wie geplant stattfinden kann – eine letzte Sicherheit haben wir derzeit natürlich nicht. Aufgrund des in der Akademie vorhandenen Hygienekonzepts wäre auch eine Tagung unter Abstandsregeln durchführbar. Behördlichen Anordnungen müssen wir aber selbstverständlich folgen. Wir informieren alle Angemeldeten bei Änderungen jeweils zeitnah.

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