Wege aus der Entfremdung im Umgang mit Religion
Offenes Treffen des AKs „Wege aus der Entfremdung“
vom 20. bis 22. November 2009 im Europagästehaus in Hamburg

 

Das Thema Religion bzw. Religiosität ist eine für die meisten Menschen in hohem Maße relevante Frage. Ein nicht unerheblicher Teil der Buchveröffentlichungen zu dieser Thematik geht - gerade vor dem Hintergrund des Zulaufs fundamentalistisch-religiöser Gruppierungen, und zwar in West und Ost - sehr kritisch mit religiösen Vorstellungen ins Gericht. Die Auseinandersetzung mit dem radikal-religionskritischen Buch von Michael Schmidt-Salomon 2009_11220017.geaendert„Manifest des Evolutionären Humanismus, Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur" war erste Anregung zur Gestaltung dieser Wochenendtagung des Arbeitskreises „Wege aus der Entfremdung", die etwa vierzig interessierte TeilnehmerInnen nach Hamburg führte. Die folgenden drei Themenschwerpunkte dienten als Orientierung:

1. Wie entscheidend ist für uns der Bezugsrahmen eines „mythologischen" bzw. „aufgeklärten" Weltbildes im Hinblick auf die Überwindung von Entfremdung im Umgang mit Religion?

2. Welche Bedeutung haben für unsere Existenz als Menschen im 21. Jahrhundert entweder das entschiedene Festhalten oder auch der bewusste Verzicht auf eine „persönliche" Gottesvorstellung, also der Bezug zu einem persönlich ansprechbaren „höheren Wesen"?
Gibt es diesbezüglich einen Zusammenhang mit der Frage der Entfremdung?

3. Was machen im Falle des Verzichts auf eine solche „persönliche" Gottesvorstellung z.B. ersatzweise „Glaube", „Ethos" oder auch „Spiritualität aus? Inwieweit tragen sie für uns zur Überwindung der Entfremdung von Menschen im Umgang mit Religion bei?

Insgesamt elf Impulsreferate von jeweils etwa 15 Minuten Dauer waren diesen drei Hauptpunkten zugeordnet und wurden von TeilnehmerInnen der Tagung aus dem Kreis der Mitglieder der Erich-Fromm-Gesellschaft eingebracht. Aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachteten die ReferentInnen das von ihnen selbst gewählte Thema, wobei in vielen Fällen ganz persönliche Erfahrungen und Einsichten diese Referate überaus lebendig werden ließen.

Die ReferentInnen sowie die Vielfalt der Beiträge lässt sich aus der folgenden Liste ablesen:

Zu Themenschwerpunkt 1:

  • Helmut Graf: „Das Buch von Michael Schmidt-Salomon „Manifest des Evolutionären Humanismus"

  • Annemarie Schrey: „Spontane Reaktionen auf das Buch von Michael Schmidt-Salomon"

  • Helmut Johach: "Taugt die Evolutionslehre als weltanschaulicher Religionsersatz?"

  • Dieter Fögler: „Der Yogaübungsweg als moderne Art des Religionsverständnisses - ein individueller Weg aus der Entfremdung im Umgang mit Religion"

 

Zu Themenschwerpunkt 2:

  • Helmut Gießer: „Audio - Ergo - Loquor"

  • Klaus Widerström: „Von der Schwierigkeit, religiöse Indoktrination hinter sich zu lassen"

  • Georg Osterfeld: „Das Gottesbild Erich Fromms - zwischen nichttheistischer Mystik und gesetzgebendem Gott, den er den EINEN nennt"

 

Zu Themenschwerpunkt 3:

  • Gert Niel-Ahlers: „Religion - Hinwendung und Abkehr als Ergebnis von Entfremdung durch Angst und Leid"

  • Rainer Funk: „Erich Fromms humanistische Religiosität"

  • Otto Lüdemann: „X-Erfahrung" vs. „Wunsch, g a n z zu sein" - Ein Versuch der vergleichenden Annäherung an Vorstellungen von Religiosität bei Erich Fromm und Dorothee Sölle:

  • Jürgen Kalcher „Religion als Maske"

 

Nach jedem Themenschwerpunkt hatten die Zuhörenden in von den ReferentInnen geleiteten Vertiefungsgruppen die Gelegenheit zu einem intensiven Gespräch miteinander. Hier wurden noch einmal Verständnisfragen gestellt, Ansichten und Einsichten hinterfragt und persönliche Anmerkungen beigesteuert, die diese Gesprächsgruppen sehr lebendig werden ließen. Es zeigte sich, dass ein so persönliches und emotional besetztes Thema wie Religion in hohem Maße präsent ist. Trotz zum Teil vollkommen gegensätzlicher Meinungen und Haltungen kam es nicht etwa zu ‚Religionskriegen', sondern zu einem fruchtbaren und alle Teilnehmer bereichernden Dialog.

Im Ergebnis zeigte sich, dass - unabhängig davon, welche Haltung letztlich die oder der einzelne zur Religion einnimmt - ein produktiver Umgang mit Religion bzw. Religiosität im Sinne Erich Fromms möglich ist. Entfremdungstendenzen lassen sich erkennen und meist auch vermeiden.

Inhaltlich und persönlich bereichert gingen die TeilnehmerInnen am Sonntagnachmittag auseinander.

 

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